Gentechnik-Pflanzen

(Foto: International Rice Research Institute (IRRI) , bit.ly/1RjvyHX , creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0)

Nach über 30 Jahren Gentechnik-Forschung wachsen auf ca. 3,6% der weltweiten landwirtschaflichen Nutzfläche Gentechnik-Pflanzen. Das macht 13% der weltweiten Ackerfläche aus. (Quelle ISAAA, FAO) Dabei haben nur zwei Eigenschaften eine breitere Anwendung gefunden: Erstens die Widerstandsfähigkeit gegen bestimmte Ackergifte (Herbizidresistenz) und zweitens die Eigenproduktion von Gift gegen Insekten (Insektenresistenz). Diese Eigenschaften wurden in Soja, Mais, Raps und Baumwolle eingebaut. Für Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Eigenschaften keinerlei Nutzen. Die Pflanzen und deren Produkte werden in großer Menge auf dem Weltmarkt gehandelt.

Es wird auch versucht, mit der Gentechnik die Inhaltsstoffe oder den Ertrag von Pflanzen zu verändern. Allerdings ist das sehr schwierig, weil zumeist sehr viele Gene für solche Änderungen manipuliert werden müssen. Mit der klassischen Züchtung sind solche Effekte oft einfacher und schneller zu erreichen.

Der wirtschaftliche Nutzen der Gentechnik für die Landwirte ist höchst umstritten. Denn die Erträge sind oft niedriger und die Saatgutkosten recht hoch. Beim Erwerb von Saatgut mit einer Widerstandsfähigkeit gegen Pflanzengifte müssen sich die Landwirte verpflichten, das Spitzmittel beim Saatgutlieferanten zu kaufen. Sie können dann nicht mehr den günstigsten Anbieter wählen und sind abhängig von der Agro-Industrie.

Patente

Gentechnik-Pflanzen sind für Saatgut-Firmen deshalb so interessant, weil sie darauf Patente erheben können. Weniger als zehn Konzerne dominieren heute den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide. Weltmarktführer für Gentechnik-Pflanzen und für das meistbenutzte Herbizid ist der Konzern Monsanto. Über tausend Patente auf Gentechnik-Pflanzen sind bereits erteilt worden. Landwirte, die Gentechnik-Pflanzen benutzen wollen, müssen daher das Saatgut jedes Jahr kaufen oder Lizenzgebühren zahlen.

Mehr zu Patenten

Risiken

Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist mit vielen Risiken verbunden. Einmal in die Natur freigesetzt, lassen sich gentechnisch veränderte Organismen nicht wieder zurückholen. Das von insektenresistenten Gentechnik-Pflanzen freigesetzte Gift schadet nicht nur dem Zielorganismus (also dem Pflanzenschädling), sondern auch nützlichen Insekten. Die giftigen Spritzmitteln, die mit den Großteil der Gentechnik-Pflanzen eingesetzt werden, gefährdet die biologische Vielfalt; es gibt also weniger Wildpflanzen und in der Folge weniger Insekten und Vögel in der Landschaft. Wie sich der Verzehr von Gentechnik-Pflanzen auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist ungeklärt, denn es gibt keine empirischen Untersuchungen dazu. Bedenkliche Hinweise aus Tierversuchen, bei denen beispielsweise Nierenschäden oder Veränderungen im Blutbild nachgewiesen werden konnten, wurden nicht weiter verfolgt.

Welche Gentechnik-Pflanzen gibt es?

Die Gentechnik-Pflanzen, die weltweit im Moment hauptsächlich angebaut werden, verfügen über folgende Eigenschaften:

  • herbizidresistente Gentechnik-Pflanzen (47% des weltweiten Gentechnik-Anbaus). Felder werden mit Pflanzen-Giften besprüht, um Unkräuter zu vernichten. Damit die Nutzpflanzen nicht zu Schaden kommen, wurden sie durch Gentechnik unempfindlich gegen die Spritzmittel gemacht. Derzeit gibt einzelne Sorten von Soja, Mais, Baumwolle und Raps, die herbizidresistent sind. Die Pflanzen werden von denselben Herstellern verkauft, die auch die Spritzmittel produzieren.
  • insektenresistente Gentechnik-Pflanzen, auch Bt-Pflanzen genannt. (12% des weltweiten Gentechnik-Anbaus). Diese Pflanzen sind mit einem Gen eines Bakteriums (Bacillus thuringiensis = Bt) ausgestattet und produzieren dadurch ein Gift, das schädliche Insekten töten soll. Derzeit gibt es v.a. Bt-Mais und Bt-Baumwolle.
  • Insekten- und herbizidresistent sind 41% der angebauten Gentechnik-Pflanzen. Sie weisen also beide Eigenschaften auf.

(Quelle: ISAAA 2016)

Wo wächst was?

Angebaute Gentechnik-Pflanzen weltweit 2016
(Grafik: Informationsdienst Gentechnik)

Ein Großteil der gentechnisch veränderten Pflanzen werden in den USA angebaut (39%). Der Rest verteilt sich überwiegend auf vier Länder: Brasilien 27%, Argentinien 13%, Kanada 6% und Indien 6%. Hauptsächlich werden Gentechnik-Mais, -Soja, -Baumwolle und -Raps angebaut. Die meisten Gentechnik-Pflanzen gehen ins Tierfutter, werden zu Agrarsprit ("Biosprit") gemacht oder zu Textilien verarbeitet (Baumwolle).

Auf kleinen Flächen stehen in den USA und Kanada gentechnisch veränderte Zuckerrüben- und auf Hawaii (USA) Papayapflanzen .

In der Europäischen Union ist nur der Gentechnik-Mais zum Anbau zugelassen. Allerdings gilt in einem Großteil der EU-Länder ein Anbauverbot. Einige Länder verbieten ihn aufgrund von Umweltrisiken ("Schutzklausel"): Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Italien, Österreich, Luxemburg, Polen, Ungarn. Drüber hinaus machen Länder und Regionen auch von der "Opt-Out"-Regelung (gültig seit März 2016) Gebrauch: Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Slowenien, Ungarn, Zypern sowie die Regionen Wallonien [Belgien],  Schottland, Nordirland und Wales [ UK]

Innerhalb der EU wächst nur Gentechnik-Mais und dieser nur in Spanien in größerem Maßstab: im Jahr 2016 auf 129.081 Hektar, das ist knapp ein Drittel der spanischen Maisfläche. In Portugal findet der Anbau gerade mal auf 7,069, in der Slovakei auf 138  und in Tschechien auf 75 Hektar statt. Im Rest der EU stehen gar keine Gentechik-Pflanzen. Auf 2010 und 2011 beschränkt, wurde in Deutschland und Schweden auf sehr kleinen Flächen die gentechnisch veränderte Amflora-Kartoffel angebaut. 2013 wurde die Anbaugenehmigung durch das Gericht der EU-Kommission jedoch ganz kassiert.

Weitere Infos zum Anbau von Gentechnik-Pflanzen gibt es hier:

Infodienst: Anbaustatistiken

Gentechnik-Mais MON 810

In den letzten Jahren wurde in der EU nur eine gentechnisch veränderte Pflanze zu kommerziellen Zwecken angebaut: Der Gentechnik-Mais MON 810 der US-Firma Monsanto zählt zu den insektenresistenten Bt-Pflanzen. Durch die gentechnische Veränderung scheidet der Mais in seinen Zellen ein Insektengift aus, das den Schädling beim Frass schädigt. Ein bedeutender Schädling bei Mais ist der Maiszünsler. Die Larven des Schmetterlings fressen sich durch die Maispflanzen. Der Maiszünsler richtet dort Schäden an, wo Mais in Monokulturen, d.h. nicht im Wechsel mit anderen Nutzpflanzen angebaut wird.

Mehr Infos

Gentechnik-Kartoffel Amflora

Drei Jahre lang durfte in der EU auch eine gentechnisch veränderte Kartoffel des Agrochemiekonzerns BASF angebaut werden (ein EU-Gericht erklärte die Anbaugenehmigung Ende 2013 für ungültig): Die Gentechnik-Kartoffel Amflora. Sie produziert besonders viel Amylopektin, ein Stärketyp, der in der Papier- und Stärke-Industrie verwendet wird. Wirtschaftlich bedeutend war die Amflora jedoch nicht: die Industrie wollte sie nicht haben. Es gibt auch klassisch gezüchtete Kartoffeln mit der gleichen Eigenschaft, sie heißen Eliane und Henriette. Mehr Infos