Freisetzung und kommerzieller Anbau

(Foto: pixabay, CC0)

Vier transgene Nutzpflanzenarten werden zurzeit hauptsächlich kommerziell genutzt: Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Die weltweit am meisten angebaute gentechnisch veränderte Pflanze ist RoundupReady-Soja bzw. Sorten, die gegen das Herbizid Roundup resistent sind und gleichzeitig ein Gift gegen Insekten produzieren. Gentech-Soja wird auf 91,4 Millionen Hektar angebaut, rund 82 Prozent der weltweiten Sojaanbaufläche (Stand 2016). Vor allem in Brasilien, den USA und Argentinien steht sie auf den Feldern. Diese Sojabohnen werden auch nach Europa exportiert und landen dort meist im Tierfutter.

Anbau und Import gentechnisch veränderter Pflanzen und daraus hergestellter Produkte einschließlich Futtermittel benötigen eine EU-Zulassung. Die in der EU beschlossenen Regelungen gelten für alle Mitgliedsstaaten. Dutzende Varianten an Gentechnik-Soja, -Raps oder -Mais dürfen in die EU importiert und hier verfüttert werden.

Dagegen spielt der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa nur eine marginale Rolle, was unter anderem auf die große Skepsis in der Bevölkerung und vor allem auf die Aktivitäten der breiten gentechnik-kritischen Bewegung zurückzuführen ist. Im Jahr 2014 wuchsen nur auf etwa 0,13% der gesamten Ackerfläche der EU transgene Pflanzen. 2015 ging die Anbaufläche um weitere 4% auf insgesamt 116.000 ha zurück. Die Anbau-Fläche für Gentechnik-Mais wuchs 2016 auf 136.000 ha an, ist bezogen auf die Gesamtfläche in der EU nach wie vor gering.

Derzeit ist in Europa nur eine gentechnisch veränderte Pflanze zum Anbau zugelassen: Der insektengift-produzierende Mais MON810 des Konzerns Monsanto. Er darf seit 1998 angebaut werden.

Zwischen 2010 und 2013 durfte die BASF-Kartoffel "Amflora" mit veränderter Stärkezusammensetzung angebaut werden. Ein EU-Gericht widerrief die Genehmigung jedoch, weil bei der Zulassung gegen Beteiligungsregeln verstoßen worden war.

Zulassungspraxis im Sinne der Industrie

(Foto: United Soybean Board, Corn Harvest, bit.ly/1syNGJq, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Über die Zulassungen entscheidet in der Regel die EU-Kommission. Sie trifft ihre Entscheidung auf Grundlage einer Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), der damit eine Schlüsselrolle im Zulassungsverfahren zukommt.

Seit ihrem Bestehen steht die EFSA in der Kritik. Zahlreiche Untersuchungen weisen auf die Nähe ihrer Gentech-Experten zur Industrie hin. Hinzu kommt, dass für die Risikoprüfung transgener Pflanzen in der Regel nur Untersuchungen der Antragsteller berücksichtigt werden.

So ist es wenig verwunderlich, dass die EFSA bislang alle Anfragen im Sinne der Gentechnikfirmen beschieden hat. Seit langem fordern die gentechnikkritischen Verbände deshalb eine Reform der EFSA.

Dossier zur Risikobewertung durch die EFSA

SPIEGEL: Enge Verbindung zur Industrie: EU-Lebensmittelbehörde wird Lobbyisten nicht los (2013)

Datenbank für GVO-Anbau

Im Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) findet man die Orte, an denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut oder freigesetzt werden/wurden: BVL: Standortregister

Gentechnikrecht in der Diskussion

Gentechnik-Kartoffel "Amflora" bei einem Freilandversuch in Schweden, 2008 (Foto: BASFPlantScience, Auspflanzung_Schweden_1, bit.ly/1TTYiZW, creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Mehrere EU-Ländern haben den Anbau von MON810-Mais verboten, darunter befinden sich große Agrarländer wie Frankreich und Deutschland. Sie berufen sich dabei auf Artikel 23 der EU-Freisetzungsrichtlinie, der eine sogenannte Schutzklausel enthält. Diese ermöglicht ein vorübergehendes Verbot des Einsatzes und/oder Verkaufs eines GVO, wenn ein Mitgliedstaat „aufgrund neuer oder zusätzlicher Informationen berechtigten Grund zu der Annahme“ hat, dass der GVO „eine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellt“.

Unter Berufung auf diesen Artikel hatten Österreich, Ungarn und Luxemburg auch ein Anbauverbot für die Amflora-Kartoffel ausgesprochen.

Seit 2015 gibt es eine neue Möglichkeit für EU-Mitgliedstaaten, den Anbau von GVO zu verhindern: der sogenannte "Opt-Out"-Mechanismus. 17 EU-Mitgliedstaaten sowie 4 Regionen machen derzeit davon Gebrauch. Dabei gibt es zwei Optionen: 1) die Regierung des jeweiligen Landes und die Firma, die den GVO vermarkten will, einigen sich darauf, dass die Genehmigung nicht in diesem Land gelten soll. Die Firma verzichtet also freiwillig auf den Anbau in diesem Land; oder 2) die Regierung untersagt den Anbau einer bestimmten Pflanze oder mehrerer Pflanzen einer Art (z.B. Mais) oder mit einer Eigenschaft (z.B. Herbizidtoleranz). Dies muss die Regierung nachvollziehbar begründen.

Infodienst-Dossier zum Gentechnikrecht

Woran wird geforscht?

Ein DNA-Forschungslabor des US-Energieministeriums (Foto: Lawrence Berkeley Nat'l Lab - Roy Kaltschmidt, DNA Analyzers at the Joint Genome Institute, bit.ly/22vifwk, creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0)

Diejenigen Konzerne, von denen die meisten transgenen Pflanzen im kommerziellen Anbau stammen, dominieren auch die Forschung. Dabei geht es weniger um Risikoforschung oder irgendwelche Wunderpflanzen, mit denen sich dem Klimawandel und dem Welthunger begegnen ließe, sondern um transgene Pflanzen mit Eigenschaften, die sich für die Konzerne kommerziell bewährt haben: Herbizid- und Insektenresistenz.

Konzerne wie Monsanto und andere (DuPont/Pioneer, Dow, Syngenta, Bayer, BASF) sind oder waren ursprünglich Chemiekonzerne. Einen Großteil ihres Umsatzes erwirtschaften sie durch den Verkauf von Agrochemikalien und darauf abgestimmtem transgenen Saatgut. Das heißt, die Konzerne entwickeln gentechnisch veränderte Pflanzen, die gegen die firmeneigenen Chemikalien resistent sind. So verdienen sie doppelt.

Monsanto und Co. setzen zunehmend auf transgene Pflanzen, die gegen mehrere Herbizide resistent sind. Der Grund: Immer mehr „Unkräuter“, das heißt auf dem jeweiligen Feld nicht gewünschte Pflanzen, haben durch den massiven Gifteinsatz Resistenzen gebildet. Sie sollen nun mit einem Mix aus Giften abgetötet werden, den die mehrfach transgene Pflanze übersteht. Den Konzernen bleiben so ihre beiden wichtigen Geschäftsfelder – GVO und Pestizide – erhalten.

CRISPR - Der Star unter den neuen Gentechniken

Als CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) werden sich auf bestimmte Weise wiederholende DNA-Abschnitte bezeichnet. Sie kommen bei verschiedenen Lebewesen, z.B. Bakterien vor, die damit fremde DNA als Eindringling erkennen und bekämpfen können.

Diese natürliche Reaktion nutzt die CRISPR-Cas-Technik. Sie zählt zu den neuen Gentechnik-Verfahren, die als "Genome Editing" immer mehr Aufmerksamkeit erfahren. Cas ist ein Enzym, das die DNA an vorgegebenen Stellen schneiden und so für Änderungen sorgen soll. Unternehmen und Wissenschaftler erklären CRISPR-Cas für deutlich präziser als die "klassische" Gentechnik, die mit der sog. Gen-Kanone oder Agrobakterien arbeitet. Konzerne wie Dupont und Monsanto haben erste „Produkte“ in der Entwicklung.

Klar ist aber auch: fehlerhafte Schnitte in der Erbsubstanz können nicht verhindert, unbeabsichtigte DNA-Mutationen und daraus resultierende Risiken für Mensch und Umwelt nicht ausgeschlossen werden. Einige Wissenschaftler und Gentechnik-Kritiker mahnen deshalb zur Vorsicht.

Unklar ist bislang, ob CRISPR-Cas als Gentechnik eingestuft wird. Nur dann muss eine Risikoprüfung sowie ein Monitoring in der Umwelt erfolgen. Produkte, die mit diesem Verfahren hergestellt werden, müssten gekennzeichnet werden. Erste wissenschaftliche und juristische Gutachten ordnen das CRISPR-Cas-Verfahren klar der Gentechnik zu. Die finale Entscheidung erfolgt durch die EU-Kommission, die dies zuletzt auf März 2016 verschob.

Gutachten Professor Dr. Ludwig Krämer: Legal questions concerning new methods for changing the genetic conditions in plants (September 2015)

BfN: Rechtsgutachten zu neuen Techniken von Prof. Spranger (Oktober 2015)

EcoNexus: Genetic Engineering in Plants and the “New Breeding Techniques (NBTs)” -  Inherent risks and the need to regulate (Dezember 2015)

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