Das Spritzmittel Glyphosat

Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Wirkstoff in Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden). Die inzwischen zur Bayer AG gehörende Firma Monsanto brachte Glyphosat 1974 unter dem Namen Roundup auf den Markt. Nach dem Ende des Patentschutzes begannen zahlreiche Firmen, glyphosathaltige Produkte herzustellen und unter verschiedenen Handelsmarken zu vertreiben. 1996 brachte Monsanto seine RoundupReady-Sojabohne auf den Markt. Diese Pflanzen waren gentechnisch so verändert, dass sie resistent gegen Glyphosat waren. Landwirte konnten Felder mit dieser Bohne mit glyphosathaltigen Herbiziden besprühen; das gesamte Unkraut starb ab und nur die gentechnisch manipulierten Nutzpflanzen überlebten. Resistenter Raps, Mais und Baumwolle folgten bald. In der Folge stieg der weltweite Glyphosateinsatz auf das 15-fache an – und ebenso die Schäden für Umwelt und Gesundheit. 2015 stufte die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. In den USA klagten daraufhin Zehntausende von Krebsopfern und in der EU forderten mehr als eine Million Bürger*innen ein Verbot des Herbizids. Hier wurde Glyphosat inzwischen zum Sinnbild für eine verfehlte Pestizidpolitik – die den Wirkstoff weiterhin zulassen will.

Wo wird Glyphosat angewendet?

Weltweit versprühen Landwirte jedes Jahr rund 800.000 Tonnen Glyphosat. Die größten Mengen gehen auf Feldern nieder auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen mit Glyphosatresistenz wachsen. Mehr als 85 Prozent der weltweit auf 190 Millionen Hektar (ISAAA, 2019) angebauten Gentech-Pflanzen sind herbizidresistent, meist gegen Glyphosat. Sie wachsen vor allem in den USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien. Große Mengen solcher mit Glyphosat behandelter Gentech-Pflanzen werden, vor allem als Futtermittel, in die EU importiert.

In der EU werden, außer in Spanien und Portugal, keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Glyphosat kommt trotzdem zum Einsatz: Vor der Aussaat, um vorhandenes Unkraut abzutöten, und nach der Ernte, um sich das Pflügen zu ersparen. Bei dieser pfluglosen Bodenbearbeitung (englisch „no till“) tötetdas Glyphosat Unkräuter sowie übriggebliebene und ausgekeimte Rapssamen und Getreidekörner ab. Wird Glyphosat kurz vor der Ernte gespritzt, reifen die Pflanzen schneller ab und lassen sich einfacher ernten. Diese als Sikkation bezeichnete Praxis ist in Deutschland inzwischen nicht mehr erlaubt. Nach einer Studie der Universität Göttingen wurden 2011 in Deutschland rund 40 Prozent der Ackerflächen mit Glyphosat behandelt. Inzwischen dürfte es etwas weniger sein, denn seither hat sich die jährlich in Deutschland verkaufte Menge an Glyphosat von 5400 auf 4100 Tonnen verringert. 67 glyphosathaltige Pestizide sind noch auf dem deutschen Markt. (BVL, 2022).

 

Wie wirkt Glyphosat?

Glyphosat hemmt das Enzym EPSPS (5-Enolpyruvyl-Shikimat-3-Phosphat-Synthase), das in Pflanzen an der Bildung aromatischer Aminosäuren beteiligt ist. Fehlen diese Aminosäuren, bricht die Proteinsynthese ab, die Pflanzen stellen das Wachstum ein und sterben. Durch diese Störung des Shikimat-Stoffwechsels tötet Glyphosat alle Pflanzen ab, die nicht eigens gentechnisch resistent gemacht wurden. Das Herbizid wirkt systemisch: Es wird über die Blätter aufgenommen, in der ganzen Pflanze verteilt und vor allem in Triebspitzen, Samen und Wurzeln angereichert. Glyphosat galt aufgrund seines Wirkmechanismus lange als wenig problematisch für den Menschen und als umweltverträglich, da es sich nach Herstellerangaben schnell abbauen sollte. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Studien, die zeigen, dass dies nicht stimmt.

Bei deren Bewertung ist immer zu beachten, ob sie den reinen Wirkstoff untersuchen oder das fertige Spritzmittel, wie es auf den Acker kommt. Dieses enthält Hilfsstoffe, die die Aufnahme von Glyphosat durch die Pflanzenoberfläche erleichtern. Sie müssen nicht im Detail offengelegt werden, obwohl sie sehr giftig sein können. Ein Beispiel dafür sind die POE-Tallowamine, die 2016 in der EU als Hilfsstoff verboten wurden – nachdem sie 40 Jahre lang auf den Acker kamen.

Die Nebenwirkungen von Glyphosat

Glyphosat und Krebs

Im März 2015 stufte die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Daraus entwickelte sich eine bis heute andauernde Kontroverse. Die Genehmigungsbehörden weltweit hatten, gestützt auf alte Studien der Hersteller und Arbeiten industrienaher Toxikologen Glyphosat für unbedenklich erklärt – und verteidigen ihre Position. Doch zahlreiche Studien und Analysen unabhängiger Wissenschaftler haben inzwischen gezeigt

> dass die Herstellerstudien wenig Aussagekraft haben und Daten einseitig interpretiert wurden;
> dass immer mehr Daten die krebserzeugende Wirkung bestätigen
> und wie Glyphosat die Krebsentstehung beeinflusst.

Beispielhafte Studien dazu:
Meta-Analyse der Universität Washington von 2019
Arbeit von Prof. Knasmüller zur Aussagekraft der Hersteller-Studien, 2021
Studie des Londoner King’s College zum Wirkmechanismus von Glyphosat und Roundup, 2021

Aufgrund der Datenlage haben mehrere Gerichte in den USA Klagenden recht gegeben, die ihren Lymphdrüsenkrebs darauf zurückführen, dass sie jahrelang das glyphosathaltige Herbizid Roundup eingesetzt haben. Die Bayer AG, der der Roundup-Hersteller Monsanto gehört, hat über zehn Milliarden US-Dollar an Schadensersatz gezahlt oder zurückgestellt. Damit sollen 138.000 Klagen beigelegt werden.
Infodienst: Glyphosat-Vergleich: Bayer zahlt knapp zehn Milliarden Euro (25.06.2020)
Infodienst: Bayer stellt weitere 3,5 Milliarden Euro für Glyphosatklagen zurück (06.08.2021)

Doch Lymphdrüsenkrebs ist nicht das einzige gesundheitliche Risiko, das von Glyphosat ausgeht

Weitere gesundheitliche Risiken

US-Wissenschaftler*innen machen Glyphosat für Nierenerkrankungen bei Landarbeiter*innen verantwortlich.
zur Studie   Infodienst: Neue Studie: Glyphosat geht an die Nieren (05.09.2019)

Forschende der Universität von Arizona haben gezeigt, dass Glyphosat im Gehirn auf eine Art und Weise in den Stoffwechsel von Botenstoffen eingreift, die Krankheiten wie Alzheimer hervorrufen könnte.
Zur Studie:   Infodienst: US-Studie: Glyphosatschäden im Gehirn könnten Alzheimer begünstigen (01.08.2022)

Studien aus Argentinien zeigen, dass Glyphosat die Nachkommen schädigen und zu vermehrten Missbildungen führen kann. Im Tierversuch und auf dem Acker.
Zur Studie Tierversuch   Zur Studie vor Ort
Infodienst: Neue Studie: Glyphosat schädigt Embryonen in der nächsten Generation (30.07.2018)

Glyphosat beeinträchtigt im Langzeitversuch die Spermien männlicher Ratten. Das ergab eine Studie chinesischer Wissenschaftler*innen. Sie erklärten ihr Ergebnis damit, dass Glyphosat eine hormonaktive Substanz sein könnte.
Zur Studie   Infodienst: Neue Studie: Glyphosat schädigt Spermien (17.01.2022)

Ein internationales Team von Wissenschaftler*innen zeigte in einer Übersichtsarbeit: Glyphosat schädigt Mikrobiome, das sind Gemeinschaften von Mikroorganismen, die wichtig für die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen sind. Die Erklärung dafür ist einfach: Auch Mikroorganismen besitzen das Enzym EPSPS, auf das Glyphosat einwirkt. Dadurch kann Glyphosat im Essen die Darmflora ändern. Ein konkretes Beispiel dafür sind Schäden bei Bienen.
Zur Studie Mikrobiome   Infodienst: Neue Studie: Glyphosat schädigt nützliche Bakterien (10.11.2021)
Zur Studie Bienen   Infodienst: Neue Studie: Glyphosat schädigt Bienen (27.09.2018)

Glyphosat-Rückstände

Glyphosat wird in behandelten Pflanzen praktisch nicht abgebaut. Es reichert sich vor allem in Samen und Wurzeln an. Mit Rückständen in Lebens- und Futtermitteln ist deshalb zu rechnen. Bis zu einem von EU-Behörden festgelegten Grenzwert sind Rückstände von Glyphosat in Lebensmitteln erlaubt. Diese sogenannten „maximum residue level“ (MRL) sind für jedes Lebensmittel unterschiedlich und wurden in den letzten Jahren immer wieder erhöht. So hob die EU 2012 den Grenzwert für Linsen um das Hundertfache von 0,1 mg/kg (Milligramm je Kilogramm) auf 10 mg/kg an. Der Grund: Aus Nordamerika importierte Linsen wiesen erhöhte Rückstandswerte auf, ein Import dieser Linsen wäre nicht mehr zulässig gewesen. Derzeit reichen die Glyphosatgrenzwerte von 0,05 mg/kg in Fleisch, Milch und Eiern über 0,1 mg/kg für die meisten Obst- und Gemüsesorten bis zu 20mg/kg bei Soja, Hafer, Gerste und Sonnenblumen.

Doch obwohl Glyphosat so weit verbreitet ist, werden Lebensmittel und Menschen nur selten darauf untersucht. Ein Grund dafür: Mit den üblichen Pestizidscreenings lässt sich Glyphosat nicht erfassen, es braucht eine eigene Messung, die extra kostet. Analysen der baden-württembergischen Lebensmittelbehörde zeigen, dass Glyphosat häufiger in Getreide, Getreideerzeugnissen sowie Hülsenfrüchten zu finden ist, dagegen kaum in Obst und Gemüse. Zur Untersuchung.

Glyphosat im Boden und im Wasser

Beim Spritzen und über Pflanzenmaterial gelangt Glyphosat in den Boden. Es wird auch direkt über die Wurzeln behandelter Pflanzen abgegeben. Glyphosat bindet relativ stark an Bodenpartikel und wird langsamer abgebaut als die Hersteller bisher angaben. Zudem hängt es stark von der Zusammensetzung, der Temperatur und dem Säuregehalt des Bodens ab, wie gut Glyphosat abgebaut werden kann. Das wichtigste Abbauprodukt ist die Aminomethyl-Phosphonsäure (AMPA), die deutlich stabiler ist als Glyphosat. Nicht nur in Ländern mit Anbau von glyphosatresistenten Pflanzen wurden Rückstände von Glyphosat und AMPA in den Böden nachgewiesen, sondern auch in der EU. Zur Studie 

Glyphosat wirkt auf das Bodenleben, denn sein Zielenzym EPSPS ist auch für viele Mikroorganismen notwendig - und längst nicht alle von ihnen sind unempfindlich gegen den Wirkstoff. Bestimmte Bakterien, die im Boden für die Bereitstellung von Mikronährstoffen eine wichtige Rolle spielen oder für die Stickstoffbindung bei Schmetterlingsblütlern (Leguminosen) zuständig sind, werden beeinträchtigt: Dies kann Wachstum und Ertrag der Pflanzen verringern. Auch hemmt Glyphosat manche Pilzarten, die den Pflanzenwurzeln dabei helfen, Mineral- und Nährstoffe aufzunehmen. Andere Pilze werden hingegen gefördert, etwa Fusarien- und Aspergilluspilze, die Stoffe produzieren, die für Mensch und Tier giftig sind. Auch Glyphosat bindet Mineralien wie Eisen und Mangan sehr stark und behindert deren Aufnahme in die Pflanze. Mehr dazu
Österreichische Forscher fanden 2015 heraus, dass „Roundup“ die Aktivität von Regenwürmern deutlich verringert. Auch die Fruchtbarkeit der nützlichen Tierchen leidet.
Zur Studie   Infodienst: Glyphosat beeinflusst Regenwürmer (06.08.2015)

Vereinzelt ließen sich Glyphosat und AMPA auch im Grundwasser nachweisen. Weitaus relevanter ist es, wenn das Herbizid direkt vom Acker in angrenzende Kleingewässer abgeschwemmt wird. Denn es ist als giftig für Wasserorganismen eingestuft. Zudem führt es bei Fröschen und Kröten zu Missbildungen, wie zuletzt Forscherinnen der Universität Ulm zeigten. Zur Studie

Resistente Unkräuter

Der massive Glyphosateinsatz hat dazu geführt, dass sich auf den Feldern resistente Unkräuter entwickelten. Varianten von mindestens 44 glyphosatresistenten Unkrautarten breiten sich auf vielen Millionen Hektar aus. Betroffen sind vor allem Länder, in denen gentechnisch resistent gemachte Pflanzen angebaut werden, wie die USA, Argentinien und Brasilien. Doch auch in der EU treten vermehrt glyphosatresistente Unkrautarten auf, in Deutschland erstmals 2018. Zur Studie

Um resistente Unkräuter zu bekämpfen setzen die Landwirte weitere, oft besonders problematische Pestizide wie Dicamba oder 2,4-D ein. Inzwischen gibt es Gentech-Pflanzen, die gegen drei oder vier Herbizide resistent sind. Insgesamt hat in den USA die Menge und Giftigkeit der ausgebrachten Herbizide zugenommen, ergab eine Studie der Uni Koblenz-Landau.

Umstrittene Zulassung in der EU

Wie jedes andere Pestizid auch, darf Glyphosat in der EU nur verwendet werden, wenn es zugelassen ist. Für eine Zulassung müssen die Herstellerfirmen des Herbizids nachweisen, dass ihr Produkt keine bedenklichen Auswirkungen auf die menschliche und tierische Gesundheit sowie die Umwelt hat. Die zuständigen Behörden prüfen diese Unterlagen und empfehlen die Zulassung, wenn es aus ihrer Sicht keine bedenklichen Auswirkungen hat. Festgelegt ist das Verfahren in der EU-Pestizidverordnung 1107/2009

Die erste europaweite Zulassung (davor waren die Mitgliedsstaaten zuständig) erhielt Glyphosat im Jahr 2002. Sie war für zehn Jahre gültig und wurde dann bis Ende 2015 verlängert wurde. Parallel dazu begann ein neues Zulassungsverfahren, das federführend vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bearbeitet wurde. Dieses kam 2013 in einer ersten Stellungnahme zu dem Schluss, das Glyphosat (wie bisher schon) unbedenklich sei. Doch dann stufte das IARC Glyphosat 2015 als wahrscheinlich krebserregend ein. Das BfR überarbeitete seine Stellungnahme, beharrte aber auf seinem Standpunkt, den anschließend auch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA bestätigte. In den Folgemonaten wurde EU-weit heftig über Glyphosat diskutiert und ein Verbot gefordert. Mehr als 1,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger unterstützen die Europäische Bürgerinitiative zum Verbot von Glyphosat. Schließlich stimmte im November 2017 eine knappe Mehrheit der Mitgliedsländer der EU für eine Zulassung bis Dezember 2022. Deutschlands Stimme gab damals den Ausschlag.

Verfahren in der Kritik

Grundlage des Zulassungsverfahrens sind Untersuchungen der Hersteller. Von unabhängigen Wissenschaftler*innen erstellte Studien spielen nur eine geringe Rolle, wenn Behörden bewerten, wie gefährlich ein Pestizid ist. So berücksichtigten die Behörden 2011 134 Studien, um gesundheitliche Risisken von Glyphosat zu bewerten. Davon waren 105 Studien von Monsanto erstellt worden und von den 29 anderen Studien waren etliche im Auftrag von Monsanto verfasst worden. Meist übernehmen die Behörden im Verfahren die Ergebnisse dieser Herstellerstudien ungeprüft. Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 deckte auf, dass der Glyphosat-Bewertungsbericht des BfR in großen Teilen wortwörtlich vom Hersteller Monsanto abgeschrieben wurde – ohne dies kenntlich zu machen. Dabei ging es auch um die Bewertung kritischer Studien. Zu Global 2000

Ein weiterer Kritikpunkt am Zulassungsverfahren war die Intransparenz, denn die Daten der von den Herstellerfirmen durchgeführten Studien waren bisher geheim und durften nur von den Behörden gelesen werden. Viele Bürger*innen befürchteten, dass Monsanto bei seinen Studien negative Wirkungen vernachlässigt habe. Sie forderten, diese Studien zu veröffentlichen und verlangten, dass Untersuchungen von unabhängigen Wissenschaftler*innen stärker berücksichtigt werden.

2017 wurden durch die Glyphosatklagen in den USA zahlreiche interne Mails und Papiere von Monsanto öffentlich. Diese Monsanto Papers zeigten, wie der Glyphosathersteller in den Jahren 2015 und 2016 Wissenschaftler kaufte, um das IARC und seine Glyphosateinstufung durch anscheinend neutrale Experten zu demontieren. 2019 wurde zudem bekannt, dass Monsanto für seine PR-Arbeit Listen mit Informationen über Glyphosatkritiker*innen erstellen ließ – auch in Deutschland.
Zeit Online: Hat Monsanto Wissenschaftler gekauft? (11.10.2017)
Infodienst: Strafanzeige: Monsanto sammelte Daten von Glyphosat-Kritikern (13.05.2019)
Infodienst: Zweistellige Millionenbeträge für Glyphosat-PR in Europa (18.06.2019)

Die anhaltende öffentliche Diskussion veranlasste das Europaparlament 2018, einen Ausschuss mit der Untersuchung zu beauftragen, wie das Zulassungsverfahren für Pestizide verbessert werden kann. Im Januar 2019 beschloss das Parlament, bei Zulassungsverfahren verwendete Studien sollten veröffentlicht werden, Studien über krebsauslösende Eigenschaften von Glyphosat seien zu überprüfen und langfristige toxische Wirkungen zu berücksichtigen.   Pressemitteilung des Parlaments

Das nächste Verfahren

Ob die Zulassung tatsächlich auslaufen wird ist offen. Bereits 2019 beantragten die Glyphosathersteller einer erneute Zulassung für 15 Jahre. Die eingereichten Unterlagen wurde im Auftrag der EU von der Bewertungsgruppe für Glyphosat (Assessment Group of Glyphosate, AGG) geprüft. Sie besteht aus den zuständigen Behörden Frankreichs, Ungarns, der Niederlande und Schwedens. Im Juni 2021 kam die AGG zu der Einschätzung, dass das Pflanzengift weder krebserregend sei, noch Organe, den Hormonhaushalt oder die Fruchtbarkeit schädige. Dabei stützte sich die AGG weitgehend auf die alten Zulassungsunterlagen. Die Hersteller hatten zu den gesundheitlichen Wirkungen nur wenig neue Studien vorgelegt, die EU keine eigenen in Auftrag gegeben. Die in den letzten Jahren stark angewachsene Zahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurde von der AGG weitgehend als nicht relevant eingestuft. Die Lebensmittelbehörde EFSA und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stellten den Bewertungsbericht im Herbst 2021 zur Kommentierung online und bekamen reichlich Kritik, etwa von PAN-Germany.

Die ECHA zog daraus keinerlei Konsequenzen und erklärte Anfang Juni 2022, dass sie Glyphosat weiterhin nicht als krebserregende, mutagene oder reproduktionstoxische Substanz einstufen werde. Die EFSA verschob ihren Zeitplan um ein Jahr nach hinten. Ursprünglich wollte sie im Sommer 2022 ihre abschließende Bewertung vorlegen. Auf deren Basis hätten dann die EU-Mitgliedsstaaten bis Ende 2022 entscheiden können. Nun will die EFSA erst im Sommer 2023 Glyphosat bewerten. Dies wird voraussichtlich dazu führen, dass die EU-Kommission die Ende 2022 auslaufende Zulassung noch um ein Jahr verlängert. 

AGG: Procedure and outcome of the draft Renewal Assessment Report on glyphosate, June 2021
Der gesamte Bericht als Download
Homepage der Glyphosate Renewal Group
Infodienst: Glyphosatzulassung: Die Bewertung der Behörden steht zur Diskussion (24.09.2021)
Infodienst: Wird EU Glyphosat-Zulassung vorläufig verlängern? (14.05.2022)
Infodienst: EU-Behörde bleibt dabei: Glyphosat ist nicht krebserregend (03.06.2022)

Zuletzt aktualisiert: September 2022

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